Der «Frontenfrühling» (1933). 1933, als Hitler in Deutschland die Macht übernimmt, vervielfachen sich in der Schweiz Bewegungen, die sich «Fronten» nennen. Sie wollen die parlamentarische Demokratie durch einen autoritären Führerstaat ersetzen, den Klassenkampf durch die «Volksgemeinschaft», den Markt durch Korporationen; sie sind antisemitisch und teils rassistisch. Die wichtigste ist die Nationale Front von Rolf Henne mit bis zu rund 9000 Mitgliedern. Die Frontisten marschieren in Uniform, grüssen mit erhobenem Arm und dem Ruf «Harus» und gehen mit Stahlruten auf Gegner los: 1934 stürmen sie mehrmals das antifaschistische Cabaret Pfeffermühle in Zürich.
Wenig Stimmen, viel Lärm. Nach einigen Anfangserfolgen (1933 27 Prozent in Schaffhausen und zehn Sitze im Zürcher Gemeinderat dank Listenverbindungen mit bürgerlichen Parteien) verlieren die Fronten an Schwung: Bei den Nationalratswahlen 1935 erhalten sie zwei von 187 Sitzen. Im selben Jahr lehnt das Volk ihre Initiative zur Totalrevision der Bundesverfassung ab, 1937 jene für ein Verbot der Freimaurerlogen.
Die Gustloff-Affäre (1936). Am 4. Februar 1936 erschiesst der jüdische Student David Frankfurter in Davos Wilhelm Gustloff, den Leiter der Landesgruppe Schweiz der NSDAP. Deutschland macht ihn zum Märtyrer und nutzt die Tat für antisemitische Propaganda. Der Bundesrat weist deutsche Vorwürfe gegen die Schweizer Presse zurück, wendet aber die Presseregeln strenger an und verbietet die Landes- und Kreisleitungen der NSDAP in der Schweiz.
Der Sommer 1940. Die Siege der Wehrmacht in Frankreich geben den Frontisten neuen Auftrieb; sie fordern die Anpassung an das «neue Europa» der Achse. Bundespräsident Marcel Pilet-Golaz spricht in seiner Radioansprache vom 25. Juni 1940 von der Anpassung an die neue Zeit und empfängt in Bern die Frontistenführer Max Leo Keller und Ernst Hofmann, was heftige Kritik auslöst. Am 15. November 1940 verlangt die «Eingabe der 200» Massnahmen gegen die deutschfeindliche Presse; der Bundesrat geht nicht darauf ein. Gegen die Anpassung entstehen Widerstandsbewegungen wie der Gotthardbund, und General Guisan versammelt die Offiziere auf dem Rütli (siehe die Station 1291).
Das Ende der Fronten (1940–1943). Der radikalste, von Deutschland finanzierte Flügel der Fronten geht bis zum Landesverrat und akzeptiert die Idee einer Schweiz als Satellit des Reichs. Der Bundesrat löst Kellers Nationale Bewegung der Schweiz am 19. November 1940 auf; einige Frontisten fliehen nach Deutschland. Die letzten frontistischen Organisationen verschwinden im Sommer 1943.