Das internationale Genf. Nach dem Völkerbund (siehe die Station 1920) wird das Palais des Nations in Genf ab 1946 europäischer Sitz der UNO, obwohl die Schweiz erst 2002 beitritt (siehe die Station). Ringsum entstehen Dutzende internationale Organisationen, vom Roten Kreuz bis zur Weltgesundheitsorganisation.
Die Konferenzen von 1954 und der Gipfel von 1955. 1954 berät die Genfer Konferenz über Korea und Indochina und beendet den französischen Krieg in Vietnam. Vom 18. bis 23. Juli 1955 treffen sich dort erstmals seit dem Krieg die Regierungschefs der USA, der Sowjetunion, Grossbritanniens und Frankreichs: Eisenhower, Bulganin und Chruschtschow, Eden und Faure. Es ist ein erstes Zeichen des Tauwetters.
Die Schutzmacht. Wenn zwei Staaten ihre Beziehungen abbrechen, kann die Schweiz ihre Interessen vertreten. Im Zweiten Weltkrieg nimmt sie jene von 35 Ländern wahr. 1961 übernimmt sie die Vertretung der USA in Kuba, die sie bis zum 20. Juli 2015 behält, und ab 1980, nach der Geiselnahme in der amerikanischen Botschaft in Teheran, jene der USA im Iran. 1962 erleichtert die Schweizer Diplomatie die Verhandlungen, die zu den Verträgen von Évian und zur Unabhängigkeit Algeriens führen.
Reagan und Gorbatschow (1985). Am 19. und 20. November 1985 treffen sich Ronald Reagan und Michail Gorbatschow erstmals in Genf, in der Villa Fleur d’Eau und in der sowjetischen Mission. Der Gipfel bringt keine konkreten Abkommen, ebnet aber den Weg zu den Verträgen über nukleare Abrüstung und zum Ende des Kalten Kriegs.
Die Guten Dienste heute. Die Schweiz übt weiterhin mehrere Schutzmachtmandate aus und ist Gastgeberin von Friedensgesprächen und Gipfeltreffen, etwa jenem von Joe Biden und Wladimir Putin am 16. Juni 2021 in Genf. Die diskrete Diplomatie bleibt eine der Arten, wie das Land seine Neutralität versteht.