Ein unbequemer Nachbar (1469–1474). 1469 verpfändet Herzog Sigmund von Österreich im Vertrag von Saint-Omer seine elsässischen Besitzungen an Karl den Kühnen, um Schutz gegen die Eidgenossen zu erhalten. So wird Burgund, das von den Niederlanden bis zur Freigrafschaft reicht, direkter Nachbar der Eidgenossenschaft. Der burgundische Landvogt Peter von Hagenbach sperrt den Getreidehandel mit den Rheinstädten: Basel und Strassburg bitten Bern um Hilfe, das um seine Wege zu den Genfer Messen fürchtet. 1474 schliessen Österreich und die Eidgenossen Frieden, die sogenannte Ewige Richtung, und verbünden sich mit den elsässischen Städten; Hagenbach wird in Breisach hingerichtet, und am 13. November 1474 siegt die antiburgundische Allianz bei Héricourt.
Bern greift an (1475). Karl der Kühne, mit der Belagerung von Neuss am Rhein beschäftigt, möchte Frieden mit den Eidgenossen. Doch in Bern setzt sich die Kriegspartei Niklaus von Diesbachs gegen die Gemässigten um Adrian von Bubenberg durch. 1475 fallen Berner und Freiburger Freischaren in die Waadt ein, die zu Savoyen gehört, dem Verbündeten Burgunds, und erobern 16 Städte und 43 Burgen; die übrigen Orte missbilligen das. Im selben Herbst schlagen die Oberwalliser die Savoyer auf der Planta bei Conthey und besetzen das Unterwallis bis Saint-Maurice.
Grandson und Murten (1476). Anfang 1476 zieht Karl gegen Bern und Freiburg. Er erobert Grandson und lässt die Besatzung hinrichten, doch am 2. März, in der Schlacht bei Grandson, flieht sein Heer und lässt das ganze Lager zurück: Zelte, Teppiche, Geschütze, Juwelen. Der Herzog will Rache: Mit rund 20'000 Mann belagert er Murten, das Adrian von Bubenberg verteidigt. Am 22. Juni 1476 greifen rund 24'000 Eidgenossen und Verbündete nach heftigen Regenfällen um Mittag an und überraschen das burgundische Heer. Zwischen 8000 und 20'000 Burgunder sterben, gegenüber einigen Hundert Eidgenossen.
Nancy und das Ende des Herzogs (1477). Der dritte Versuch kostet Karl den Kühnen das Leben: Er fällt am 5. Januar 1477 in der Schlacht bei Nancy, in der die Eidgenossen an der Seite des Herzogs von Lothringen kämpfen. Der burgundische Staat zerfällt; davon profitieren die Habsburger und König Ludwig XI. von Frankreich. Lange hiess es, die Eidgenossen seien unwissende Werkzeuge des französischen Königs gewesen; das Historische Lexikon der Schweiz betont dagegen, dass Bern, Strassburg und Basel den Krieg wollten.
Beute und Söldner. Der Gebietsgewinn ist bescheiden: Schon 1476 geben die Orte die Waadt gegen Geld an Savoyen zurück, und 1479 verkaufen sie Ludwig XI. ihre Rechte an der Freigrafschaft. Bern und Freiburg behalten Murten, Grandson, Orbe und Echallens; das Unterwallis bleibt bei den Oberwallisern. Die Siege bewegen dagegen die europäischen Fürsten, Eidgenossen als Söldner anzuwerben: Pensionen und fremdes Geld halten Einzug in die Politik der Orte. Der Chronist Diebold Schilling verflucht das «böse, verfluchte Gut» der Beute.
Auf dem Weg nach Stans. Die Kriege stärken die Städte, und die Länderorte reagieren: 1477 mit dem Saubannerzug, dem «Zug vom torechten Leben», 1478 mit dem Amstaldenhandel. Als die verbündeten Städte ein Burgrecht mit Freiburg und Solothurn schliessen, steht die Eidgenossenschaft vor dem Bruch. Erst das Stanser Verkommnis von 1481 löst die Krise (siehe die Station).