Die nachrichtenlosen Vermögen (1995–1998). Mitte der 1990er-Jahre werfen jüdische Organisationen und ausländische Regierungen den Schweizer Banken vor, die Guthaben von Holocaust-Opfern zurückzuhalten. Die in den Vereinigten Staaten eingereichten Sammelklagen enden im August 1998 mit einem Vergleich: Die Grossbanken zahlen 1,25 Milliarden Dollar.
Die Kommission (1996). Am 12. Dezember 1996 setzt der Bundesrat im Auftrag des Parlaments eine Unabhängige Expertenkommission ein, unter dem Vorsitz des Wirtschaftshistorikers Jean-François Bergier, mit Forschenden aus der Schweiz, Polen, den USA und Israel. Sie erhält beispiellose Befugnisse: Zugang zu den Archiven von Banken, Versicherungen und Unternehmen, die keine Dokumente aus jener Zeit vernichten dürfen.
Die Schlussfolgerungen (2002). Der Schlussbericht, im März 2002 zusammen mit zahlreichen Studienbänden veröffentlicht, nennt drei Bereiche, in denen die Behörden und ein Teil der Wirtschaft ihre Pflichten verletzten: die Flüchtlingspolitik, die Zugeständnisse an die Achsenmächte, vom Handel bis zum Kauf von Reichsbankgold, und die Rückerstattung der Vermögen nach dem Krieg. Neben Widerstand und Solidarität gehören auch diese Kompromisse zur Geschichte der Schweiz im Krieg.