Die dunkelste Morgendämmerung (28. April 1945). Die Amerikaner stehen schon in Como, Mussolini ist auf der Flucht. Vor der Grenze in Chiasso drängen sich dreihundert deutsche Soldaten der SS und der Marine, entschlossen, in die Schweiz einzureisen, um nicht in sowjetische Gefangenschaft zu geraten. Der Corso San Gottardo wird geräumt, dreitausend Schweizer Soldaten stehen mit angelegten Waffen in Bereitschaft. Der Befehl aus Bern ist klar: Die Deutschen dürfen nicht hinein.
Die Verhandlung (28. April 1945). Oberst Mario Martinoni, Kommandant des Regiments, fährt mit dem Auto über die Grenze nach Como. Im Hotel Suisse Metropole trifft er den amerikanischen Major Joseph McDivitt und erhält das Versprechen, dass die Deutschen in amerikanischen Lagern interniert und nicht den Sowjets übergeben werden. Zurück in Chiasso überzeugt er mit McDivitt und dem Schweizer Konsul in Mailand, Franco Brenni, die Deutschen zur Kapitulation. Einer nach dem anderen legt auf dem Zollplatz die Waffen nieder, vor der Kamera von Christian Schiefer.
Bestraft, dann rehabilitiert (1945–2010). Die Leute feiern den Oberst, der Chiasso gerettet hat. Doch für seine Vorgesetzten hat Martinoni seinen Kommandoposten ohne Erlaubnis verlassen: Er wird seines Kommandos enthoben und bestraft, und am Tag darauf werden 1500 Tessiner Soldaten durch Deutschschweizer Truppen ersetzt. Rehabilitiert wird er erst nach seinem Tod, 2010. Eine Glastafel vor dem Zoll von Ponte Chiasso erinnert an ihn: «Er ersparte dieser Stadt die Schrecken des Krieges».
Das Kriegsende (Mai 1945). Am 2. Mai kapitulieren die deutschen Truppen in Italien, nach geheimen Verhandlungen in der Schweiz zwischen dem Amerikaner Allen Dulles und SS-General Karl Wolff, der Operation Sunrise. Am 8. Mai endet der Krieg in Europa, und in der ganzen Schweiz läuten die Glocken.