Der Strom (September 1943). Nach dem Waffenstillstand und der deutschen Besetzung Norditaliens suchen Tausende Menschen Zuflucht in der Schweiz. Trotz der Grenzwächter ergiesst sich über die Grenze «ein Strom»: Am 18. September zählt man im Tessin bereits 14'000 Flüchtlinge, in wenigen Tagen sind es 25'000. Es sind vor allem Militärs, aber auch Zivilisten, Juden, Frauen und Kinder.
Die Aufnahme (1943–1945). In Chiasso wird der Fussballplatz Comacini zum Flüchtlingslager; im ganzen Kanton werden Schulen, Internate, Kinos und Fabriken beschlagnahmt, und die Bevölkerung spendet Essen und Kleider. Unter den Flüchtlingen sind Soldaten aus aller Welt: Serben, Polen, Inder aus dem Commonwealth, sogar Senegalesen. Bei Kriegsende hat das Tessin mit seinen 160'000 Einwohnern 45'000 Flüchtlinge aufgenommen.
Die Fotografien von Christian Schiefer (1943). Der Fotoreporter Christian Schiefer, in den Pressedienst der Armee eingezogen, dokumentiert die Grenzübertritte und das Leben in den Lagern. Viele seiner Aufnahmen wurden zensiert, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen. Heute werden sie im Staatsarchiv des Kantons Tessin und im Schweizerischen Bundesarchiv aufbewahrt.