Am 1. Juni 2016 wird nach siebzehn Jahren Bauzeit der Gotthard-Basistunnel eröffnet: 57 Kilometer mit zwei Röhren, fast flach unter dem Massiv gegraben, bis zu 2300 Meter unter der Oberfläche. Er ist das Herzstück der AlpTransit, der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale, die das Volk 1992 angenommen hat.
Ein Tunnel, den die Bürger wollten. In der Schweiz kommen Grossprojekte an die Urne, und die AlpTransit war keine Ausnahme. Am 27. September 1992 nimmt das Volk mit 63,6 Prozent der Stimmen die Neue Eisenbahn-Alpentransversale mit den Basistunneln am Gotthard und am Lötschberg an. Am 20. Februar 1994 nimmt es mit 51,9 Prozent die Alpen-Initiative an, die die Verlagerung des Transitgüterverkehrs von der Strasse auf die Schiene in die Verfassung schreibt. Am 29. November 1998 bewilligt es mit 63,5 Prozent die Finanzierung der Grossprojekte des öffentlichen Verkehrs. Ohne diese drei Abstimmungen gäbe es den längsten Eisenbahntunnel der Welt nicht: Er ist ein Werk, über das die Bürger entschieden haben.
Am 15. Oktober 2010 erreicht die Tunnelbohrmaschine, die von Faido aus gräbt, jene, die in Sedrun gestartet war: Es ist der Hauptdurchschlag, live in der ganzen Schweiz verfolgt. Die vier grossen Tunnelbohrmaschinen der Baustelle haben insgesamt über 85 Kilometer Tunnel in den Fels gegraben.
Die Züge durchqueren die Alpen, ohne in die Höhe zu steigen, die Güter wechseln von der Strasse auf die Schiene, und Lugano und Mailand rücken näher an Zürich. Hundertvierunddreissig Jahre nach dem ersten Tunnel wird der Gotthard wieder zum symbolischen Durchgang zwischen Nord und Süd.