Vom Fürstbistum zu Bern (1815). Rund acht Jahrhunderte lang hatte der Jura zum Fürstbistum Basel gehört, mit der Residenz des Fürstbischofs im Schloss Pruntrut. 1815 teilt der Wiener Kongress seine sieben Bezirke dem Kanton Bern zu, als Entschädigung für den Verlust der Waadt und des Aargaus. Es ist die Vereinigung einer französischsprachigen und grösstenteils katholischen Region mit einem deutschsprachigen, reformierten Kanton.
Die Affäre Moeckli (1947). Im September 1947 weigert sich der bernische Grosse Rat, dem jurassischen Regierungsrat Georges Moeckli die Baudirektion zu übertragen, mit der Begründung, er sei französischsprachig. Die Kränkung entfacht die Autonomiebewegung: Am 30. November 1947 entsteht das Mouvement séparatiste jurassien, später Rassemblement jurassien, das jahrzehntelang von Roland Béguelin geführt wird.
Die heissen Jahre (1962–1970). 1962 gründen junge Separatisten die Groupe Bélier, die demonstrative Aktionen mit Gewalttaten abwechselt, bis hin zu einigen Brandanschlägen. 1964 werden an der Gedenkfeier zur Mobilmachung in Les Rangiers die Bundesräte und Berner Regierungsräte ausgepfiffen und müssen ihre Reden abbrechen. Am 1. März 1970 stimmt das Berner Volk zu, die Möglichkeit eines Plebiszits im Jura in die Kantonsverfassung aufzunehmen.
Die Plebiszite (1974–1975). Am 23. Juni 1974 beantworten die Stimmberechtigten der sieben Bezirke die Frage «Wollt ihr einen neuen Kanton bilden?». Das Ja siegt mit 51,9 Prozent, 36'802 gegen 34'057 Stimmen, bei einer Stimmbeteiligung von 88,7 Prozent. Die Bezirke im Norden, Delémont, Porrentruy und Franches-Montagnes, stimmen mit grosser Mehrheit Ja, jene im Süden Nein. 1975 erlauben weitere Abstimmungen den südlichen Bezirken Courtelary, Moutier und La Neuveville, bei Bern zu bleiben, und den Grenzgemeinden, ihre Seite zu wählen. Der deutschsprachige Bezirk Laufen wechselt 1994 zu Basel-Landschaft.
Der sechsundzwanzigste Kanton (1977–1979). Am 20. März 1977 nehmen die Jurassier ihre Verfassung an. Am 24. September 1978 stimmt das Schweizer Volk der Gründung des neuen Kantons mit 82,3 Prozent der Stimmen und der Zustimmung aller Kantone zu. Am 1. Januar 1979 wird die Republik und Kanton Jura souverän, mit Delémont als Hauptort. Seither erinnert die Fête du peuple jurassien jedes Jahr am 23. Juni an das Plebiszit von 1974.
Moutier, das letzte Kapitel (2017–2026). Im Berner Jura bleibt die Frage offen. 1996 wechselt die kleine Gemeinde Vellerat zum Jura. Moutier stimmt am 18. Juni 2017 mit nur 137 Stimmen Vorsprung für den Kantonswechsel, doch die Abstimmung wird wegen Unregelmässigkeiten aufgehoben. Am 28. März 2021 wird sie wiederholt, und diesmal siegt das Ja mit 54,9 Prozent. Nach der Zustimmung der Stimmberechtigten von Bern und Jura im September 2024 wechselt Moutier am 1. Januar 2026 in den Kanton Jura.