Das Ende der alten Eidgenossenschaft (1798). 1798 marschieren französische Truppen in die Schweiz ein, und die alte Eidgenossenschaft bricht zusammen. Am 12. April wird in Aarau die Helvetische Republik ausgerufen: ein Einheitsstaat mit geschriebener Verfassung, Rechtsgleichheit und dem Ende der Vorrechte der Städte und der Patrizierfamilien. Die Untertanengebiete, wie die Waadt und die Tessiner Vogteien, werden frei.
Ein besetzter Staat (1798–1803). Mit dem Offensiv- und Defensivbündnis vom 19. August 1798 wird die Helvetische Republik zu einem Satellitenstaat Frankreichs und verliert ihre Neutralität. Sie muss die Besatzungsarmee unterhalten, die die Staatsschätze der Städte beschlagnahmt und schwere Requisitionen auferlegt. Die Republik ist instabil, gespalten zwischen Unitariern und Föderalisten und von Staatsstreichen erschüttert; 1802 bringt sie der Aufstand des «Stecklikriegs» zu Fall, und 1803 erlässt Napoleon die Mediationsakte.
Ein Schlachtfeld (1799). Im Zweiten Koalitionskrieg bekämpfen sich französische, österreichische und russische Heere in der Schweiz. Zwei Schlachten finden um Zürich statt, im Juni und im September. Der russische General Alexander Suworow zieht von Italien herauf und erzwingt den Weg über den Gotthard; nach der russischen Niederlage bei Zürich isoliert, zieht er sich über den Pragel- und den Panixerpass zurück, die bereits verschneit sind.
Soldaten für Frankreich: die helvetischen Halbbrigaden (1798–1805). Das Bündnis von 1798 verpflichtet die Republik, Frankreich ein Hilfskorps von 18'000 Mann zu stellen, gegliedert in sechs helvetische Halbbrigaden, mit einem festen Kontingent für jeden Kanton. Die Anwerbung bringt wenig: Viele junge Männer fliehen ins Ausland, und einige treten in Emigrantenregimenter ein, die auf der Gegenseite kämpfen. Die Halbbrigaden kämpfen im Zweiten Koalitionskrieg; 1803 kämpft ein Bataillon der 3. Halbbrigade mit den Franzosen in Saint-Domingue gegen die Aufständischen, die ein Jahr später die Unabhängigkeit Haitis ausrufen.
Die vier Schweizer Regimenter (1803–1814). Am 27. September 1803 muss die Tagsatzung zusammen mit einem Defensivbündnis eine von General Michel Ney ausgehandelte Militärkapitulation unterzeichnen: 25 Jahre lang soll die Schweiz 16'000 Mann in vier Regimentern im Dienst Frankreichs halten, in roter Uniform, mit eigener Gerichtsbarkeit und Religionsfreiheit, einsetzbar nur auf dem europäischen Festland. 1805 gehen die letzten Halbbrigaden im 1. Schweizer Regiment auf. Die Anwerbung ist Sache der Kantone und Gemeinden, die die Reihen selbst mit immer höheren Handgeldern kaum füllen und unliebsame Personen und wegen kleiner Vergehen Verurteilte in den Dienst schicken; Desertionen sind häufig. Napoleon droht mit Sanktionen und senkt 1812 das Kontingent auf 12'000 Mann. Die Schweizer kämpfen im Königreich Neapel, gegen die Guerilla in Kalabrien und ab 1807 in Spanien und Portugal. Bei Bailén stehen im Juli 1808 Schweizer auf beiden Seiten: Regimenter in spanischen Diensten, mit dem Schwyzer Theodor von Reding unter den siegreichen Kommandanten, und andere, die zwangsweise in das französische Korps von General Dupont eingegliedert wurden, das kapituliert.
Die Beresina (1812). 1812 ziehen die vier Regimenter, rund 8000 Mann, mit dem 2. Korps von Marschall Oudinot in der Division von General Merle in den Russlandfeldzug. Im Oktober verlieren das 1. und das 2. Regiment in der zweiten Schlacht bei Polozk mehr als 1100 Mann. Als sie auf dem Rückzug die Beresina erreichen, sind noch rund 1300 übrig. Am 28. November decken sie am Westufer den Übergang der Reste der Grande Armée: Ohne Munition greifen sie die Russen achtmal mit dem Bajonett an. Am nächsten Tag melden sich beim Appell 300 Schweizer. Im Russlandfeldzug sterben mehrere tausend Schweizer Soldaten.
Das Beresinalied. Am Morgen des 28. November singt der Glarner Oberleutnant Thomas Legler seinen Kameraden «Unser Leben gleicht der Reise» vor, ein Gedicht von Ludwig Giseke. Im 19. Jahrhundert fast vergessen, wird das Lied von Otto von Greyerz und Gonzague de Reynold unter dem Titel «Beresinalied» wieder aufgenommen und zum Symbol für das Opfer der Schweizer Soldaten in fremden Diensten; zwischen 1912 und 1946 wird es in mehrere Sprachen übersetzt.