Die Ursachen (1309–1315). 1309 bestätigt König Heinrich VII. Uri, Schwyz und Unterwalden die Reichsunmittelbarkeit, also die direkte Unterstellung unter den Kaiser, die die Habsburger nicht anerkennen. Seither verschlechtern sich die Beziehungen. Die Schwyzer streiten seit Jahren mit dem Kloster Einsiedeln, das unter habsburgischem Schutz steht, um Alpen und Wälder, und in der Dreikönigsnacht 1314 überfallen sie es. Im Thronstreit zwischen Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen stehen die drei Waldstätte auf der Seite Ludwigs: Friedrich verhängt über sie die Reichsacht und beauftragt seinen Bruder, Herzog Leopold I., sie durchzusetzen.
Die Schlacht (15. November 1315). Der Herzog sammelt seine Truppen in Zug und zieht am Morgen des 15. November durch das Ägerital Richtung Sattel. Ob er nach Schwyz, in die umstrittenen Einsiedler Gebiete oder weiter wollte, wissen wir nicht. Die Schwyzer greifen ihn im Gebiet der Schornen am oberen Ende des Ägerisees an, und nach einem kurzen, aber blutigen Nahkampf flieht das habsburgische Heer. Die Österreicher waren wahrscheinlich einige Tausend, nicht Zehntausende; die Waldstätte etwa tausend Mann, fast alle aus Schwyz. Auf österreichischer Seite fallen einige Hundert Fusssoldaten und Ritter.
Steine, Baumstämme und Hellebarden: Geschichte und Überlieferung. Die Hauptquelle, der Chronist Johannes von Winterthur, schreibt kurz nach den Ereignissen, gestaltet seinen Bericht aber nach Vorbildern aus dem Alten Testament, und Tatsachen und biblische Bilder sind schwer zu trennen. Viele berühmte Einzelheiten stammen aus der späteren Überlieferung: die Pfeile mit der Botschaft «Hütet euch am Morgarten», mit denen die Herren von Hünenberg die Schwyzer gewarnt haben sollen, die vom Hang auf die Ritter gerollten Steine und Baumstämme, die Hellebarden. Auch der genaue Ort der Schlacht war lange umstritten: Anfang des 20. Jahrhunderts stritten Schwyz und Zug darüber, wo das Denkmal stehen sollte.
Der Bund von Brunnen (9. Dezember 1315). Wenige Wochen später, am 9. Dezember 1315, treffen sich Vertreter von Uri, Schwyz und Unterwalden in Brunnen und erneuern ihr Bündnis. Anders als der lateinische Bund von 1291 ist dieser auf Deutsch abgefasst und bringt eine wesentliche Neuerung: eine gemeinsame Aussenpolitik, die die drei Urkantone für Jahrhunderte prägen wird. Bis ins späte 19. Jahrhundert gilt in den Chroniken der Bund von 1315, nicht jener von 1291, als Gründungsurkunde der Eidgenossenschaft. Mit der Zeit wird der Name Schwyz auf alle Eidgenossen übertragen: daher stammt der Name der Schweiz.
Nach Morgarten. Der Sieg beendet den Konflikt nicht. 1316 anerkennt Ludwig der Bayer die Rechte der Waldstätte, doch die Scharmützel mit den Habsburgern gehen weiter, und 1318 schliessen die drei isolierten Orte mit Leopold einen jährlich erneuerten Waffenstillstand. Die Forschung relativiert heute die militärische Bedeutung der Schlacht: Der 15. November 1315 bedeutet weder das Ende der Auseinandersetzungen noch eine entscheidende Schwächung der Habsburger.
Ein Gründungsmythos. Mehr als durch die Ereignisse von 1315 zählt Morgarten durch die Bedeutung, die es später erhält: die erste Schlacht für die Unabhängigkeit. Seit dem Spätmittelalter erinnert eine kirchliche Feier daran; im 19. und 20. Jahrhundert kommen Feste, das Denkmal auf dem Buchwäldli (1908) und das Morgartenschiessen (1912) hinzu. 1891, zur 600-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft, malt der Münchner Maler Ferdinand Wagner die Schlacht an die Fassade des Rathauses Schwyz: Die auf die Ritter stürzenden Steine bilden das Herz der Szene, und dieses Bild prägt für immer die Vorstellung, die sich die Schweiz von Morgarten macht. 1941 macht Leopold Lindtbergs Film Landammann Stauffacher daraus ein Symbol der Geistigen Landesverteidigung.