Wer in Mailand am Naviglio della Martesana spaziert, joggt oder Velo fährt, wird meist langsamer, bezaubert von einer kirschroten Villa in einem grossen Garten mit einem weissen schmiedeeisernen Pavillon, der sich im Kanal spiegelt.
Dieses wie durch ein Wunder unversehrte Stück Land ist die Villa Singer, im Besitz des Antiquars Marco Arosio und seiner Familie.
Eine Ecke Mailands, die aus einer sepiafarbenen Postkarte vom Ende des 19. Jahrhunderts zu stammen scheint, unverändert seit Jahrzehnten, als Gorla, so heisst das Quartier, ein kleiner Ort vor den Toren der Stadt war.
Ihre Geschichte beginnt vor über einem Jahrhundert. «Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts von einem Österreicher als Parfümdestillerie gebaut», erzählt Marco Arosio. «Die Nähe zu einem schiffbaren Kanal machte sie ideal für ein Geschäft.» Und er erinnert sich: «1930 kaufte sie mein Urgrossvater, der sich aufs Land zurückziehen wollte, um Reben anzubauen und meiner Grossmutter, einer Malerin, ruhiges Arbeiten zu ermöglichen»...
Chiara Bondioli
Erschienen in Spazio Casa, September 2002.