Gerusalemme (Jerusalem) war eine wichtige Etappe in Mondinos künstlerischem Weg, denn es führte ihn zu den jüdischen Wurzeln der Familie seiner Mutter zurück und brachte eine Welt und eine Tradition ans Licht, die er nur innerlich besass und die er von da an mit seiner gewohnten Ironie in seiner Kunst erzählen konnte. Form und Sinn von Mondinos Skulpturen entstehen oft aus der Kurzsichtigkeit des Künstlers: Da er die Umrisse der Dinge aus der Ferne nicht erkennt, stellt er sie oft auf den Kopf und schafft so einzigartige, gewissermassen magische Werke. Während seines Aufenthalts in Jerusalem nähert er sich der Klagemauer, und sein Blick bleibt an einer «seltsamen Pflanze mit schwarzen Blüten» hängen. Erst aus der Nähe entdeckt er, dass diese Blüten in Wirklichkeit Hüte sind, die einige Rabbiner an eine Palme gehängt haben. Zurück in Italien beschliesst er, Gerusalemme zu schaffen, eine Bronzeskulptur, die auch an dadaistische Vorbilder anknüpft und das Judentum in Alltagsbildern aus Kleidern und Hüten lebendig werden lässt – Ausdruck seiner Freiheit auch gegenüber der Religion.